Aufnahme Gebaeude Mit Drohne

Interview der bfsl mit uns als Ausbildungsbetrieb

Im Herbst 2019 fand ein Interview zwischen Hansrudolf Graf von der Berufsfachschule Langenthal (bfsl) und dem Ausbildungsverantwortlichen bei der moser-ingold ag, Rolf Ochsenbein statt. Die moser-ingold ag bildet schon viele Jahre Lehrlinge aus und kann in Bezug auf die Lehrlingsausbildung auf eine langjährige Zusammenarbeit mit der bfsl zurückblicken.

Schon seit Jahren bildet die moser-ingold ag Polymechaniker aus und dadurch ist zwischen dem Ausbildungsverantwortlichen, Rolf Ochsenbein und Markus Beck (beide zusammen bilden die Geschäftsführung) eine gute und konstruktive Beziehung entstanden. Viele innovative Investitionen, eine bauliche Betriebserweiterung sowie eine persönliche Einladung gaben Hansrudolf Graf den Anlass, die moser-ingold ag wieder einmal zu besuchen.

Ihr Autor

Rolf Ochsenbein
Geschäftsführung Tel. 062 956 20 36 rolf.ochsenbein@moser-ingold.ch

Frage 1:

Die Geschichte "Evolution" kann, wie erwähnt, auf der Homepage nachgelesen werden. Was nicht nachzulesen ist, ist der Bezug des Firmennamens zu den heutigen Firmenbesitzern und leitenden Angestellten. Schaut man sich alle Kontaktpersönlichkeiten an, so kann der Name "Beck" sehr häufig wahrgenommen werden. Der Name "Moser" und "Ingold" ist nicht mehr wahrzunehmen und hat mit "Ochsenbein" auch keine Ähnlichkeit. Wie ist das zu erklären?

Antwort 1:

1. Generation: Gründerehepaar Walter Moser und Lisa Moser-Ingold, 1954

2. Generation: Sohn Ruedi Moser und Tochter Marianne Beck-Moser mit Ehemann Gotthard Beck übernahmen und leiteten den Betrieb weiter.

3. Generation: Markus Beck, Sohn von Marianne und Gotthard Beck-Moser, wollte den Betrieb weiterführen, aber nicht alleine. Er fand in seinem FH-Studienfreund, Rolf Ochsenbein den geeigneten Partner, um den Betrieb in der 3. Generation weiterzuführen.

4. Generation: Rafael und Manuel Beck, beides Söhne von Markus Beck, mit technischen Ausbildungen und Bachelor-Abschlüssen, arbeiten bereits in der moser-ingold ag tatkräftig mit und nehmen diverse Aufgaben in der Produktion wahr. Sie können Ihre innovativen Ideen an der Basis einbringen und umsetzen. Es ist in Planung, dass sie beide das Unternehmen in der 4. Generation weiterführen werden.

Frage 2:

Die Kernkompetenz hat sich bis heute so entwickelt, dass die moser-ingold ag CNC-Drehteile mit Bohr- und Fräsoperationen ab Rohmaterialstangen bis ø65 und Rohlingen bis ø250 komplett fertig bearbeitet. Die sehr wichtige Komponente der Qualitätssicherung und von weiteren Operationen, wie Oberflächenbehandlungen und Montage von Baugruppen, ergeben einen idealen Partner für Komplettlösungen. Bezüglich diesem Aspekt wird dem fachkundigen Leser, der fachkundigen Leserin schnell bewusst, dass moser-ingold ag schon früh begann, die wichtigen Innovationsschritte, die sich in der Branche entwickelten, mitzumachen und entsprechend gezielt wurde investiert. Gleichwohl, was waren die grössten und nachhaltigsten Veränderungen in den letzten 20 - 30 Jahren? Was für Veränderungen müssen in den nächsten 5 - 10 Jahren angegangen werden, damit die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht erhalten werden kann?

Antwort 2:

Der nachhaltigste Innovationssprung in der mechanischen Fertigung war die Einführung der NC-/CNC-Technik mit computerunterstützten Steuerungen. Es sind laufend weitere Schritte und Verbesserungen, wie die Anzahl gesteuerter Achsen, unabhängig gesteuerte Achsbewegungen, verbunden mit massiv erhöhten Rechnerleistungen dazu gekommen. In den kommenden Jahren wird die Automatisierung noch ausgeklügelter und integrierter werden. Dabei steht in unserem Hochlohnland Schweiz das Ziel im Fokus, mit gleichvielen Mitarbeitenden mehr produktive Stunden zu leisten. Anders ausgedrückt muss immer wieder das Ziel sein, noch komplexere Teile schneller komplett fertig herzustellen, so dass das Verhältnis Produktionsstunden zu Personenstunden immer grösser wird.

Frage 3:

Duale Berufsbildung, ein nachweislich erfolgreiches Ausbildungsmodell! Dabei sind mit "dual" die beiden Lernorte "Lehrbetrieb" (praktische Ausbildung) und "Berufsfachschule" (theoretische Ausbildung) gemeint. Eigentlich sind es drei Lernorte, wenn man die ÜK-Ausbildung auch als Lernort anschaut. Ist die Rollenzuteilung in unserer Ausbildungsform aus Sicht des Lehrbetriebes gut? Was müsste sich in Zukunft verändern oder welchem Aspekt müsste man mehr Aufmerksamkeit schenken, wenn die moser-ingold ag nun die Ausbildungsform neu gestalten könnte?

Antwort 3:

Grundsätzlich ist das duale Bildungssystem sehr gut = Erfolgsrezept unseres Wohlstandes!

Swissmechanic als ÜK-Anbieter macht einen guten Job und kann durchaus als dritter Lernort wahrgenommen werden.

Rolf Ochsenbein stellt sich oft selbstkritisch eine andere Frage: Sind wir als Betrieb ein guter Ausbildner? Machen wir alles perfekt? Gibt es andere, optimalere Lernformen für unsere jungen Leute?

Rolf Ochsenbein stellt den Grundsatzgedanke der Basisausbildung in den Raum, wie dies etwa das azm in Langenthal anbietet. Sollten Ausbildungssequenzen über die Betriebsgrenzen hinaus angeboten werden?! Zusammenarbeit mit anderen Ausbildungsbetrieben?!

Ein hoher Qualitätsfaktor in der dualen Ausbildung ist das gemeinsame, gute Kommunizieren miteinander und gemeinsam die besten Wege und Unterstützungen für unsere Lernenden zu suchen und zu finden! Dies wird aktuell grossmehrheitlich gut gelebt.

Die grösste aktuelle Problematik aus Sicht von Rolf Ochsenbein ist, dass bei den Jugendlichen leider zunehmend die Strukturen fehlen. Rolf Ochsenbein behauptet durch seine langjährige Beobachtung des Trends, dass diese fehlende Tatsache neben dem «Zuhause» eben auch in der Grundschule zu finden ist! Aus dem Lehrplan 21 heraus wird diesbezüglich leider keine Verbesserung zu erwarten sein, eher eine Verschärfung der Tatsache! Im Schnitt kommen immer "schlechtere" Schulabgänger (was auch an LOK-Veranstaltungen durch die bfsl-Lehrer bestätigt wurde) in die Berufsbildung und die fehlenden Strukturen haben einen direkten Zusammenhang mit den kognitiven Fähigkeiten und mit der Leistungsfähigkeit!

Frage 4:

Wie viele Mitarbeiter hat M-I eingestellt, die auch die Lehre bei M-I absolviert haben?

Antwort 4:

Die moser-ingold ag beschäftigt 48 Mitarbeitende, was ca. 42 Vollzeitstellen entspricht.

Von den 36 Mitarbeitenden in der Produktion haben rund 15% die Ausbildung bei der moser-ingold ag abgeschlossen! Aktuell bilden wir 2 Lernende aus.

Frage 5:

Wie erlebt die moser-ingold ag die Zusammenarbeit mit der bfsl (Positive Erkenntnisse, wie auch zu optimierende Aspekte)? Was sollte von Seite bfsl verbessert und optimiert werden, damit die Ausbildungsgarantie erhöht werden kann? Was für anderweitige Erwartungen hat die moser-ingold ag gegenüber der bfsl? Was gibt es über die bfsl sonst noch zu sagen?

Antwort 5:

Grundsätzlich ist die Zusammenarbeit sehr gut. Es ist ein Geben und Nehmen.

Alle Lehrmeister und Betriebsvertreter sind auch in der Pflicht, dass die Möglichkeit der LOK und des Lehrmeisterabends genutzt wird, um den Austausch untereinander zu festigen.

Der persönliche Kontakt zu den Lehrpersonen ist sehr wichtig! Bei aufkommenden Problemen oder speziellen Beobachtungen soll lieber zu früh als zu spät mit dem Lehrbetrieb in Kontakt getreten werden! Sonst keine weiteren Bedürfnisse.

Frage 6:

Was hat Swissmechanic als OdA der KMU-MEM-Betriebe und des beauftragten ÜK-Anbieters für eine Rolle in der ganzen Ausbildung? Wird diese Rolle gut wahrgenommen? Wie wichtig ist die Arbeit von Swissmechanic für die moser-ingold ag? Was könnte und müsste ganz generell verbessert werden?

Antwort 6:

Die ÜK-Ausbildungen, als praktische Grundlagenausbildung, wird als gut und fundiert wahrgenommen.

Swissmechanic, als OdA der MEM-KMU-Betriebe, gibt die Plattform, dass ein KMU überhaupt noch Lernende ausbilden kann. Ohne diese Unterstützung und die Strukturen, wie auch das Netzwerk im Hintergrund, wäre die Problematik des Fachkräftemangels mit Bestimmtheit noch einmal grösser!

Frage 7:

Wie weit ist die moser-ingold ag in der Digitalisierung vorangeschritten? Was für eindeutige Beispiele können aufgezählt werden, die ohne die Digitalisierung nicht mehr in der aktuellen Effizienz be- und verarbeitet werden könnten? Was für weitere Digitalisierungsschritte sind geplant? Wohin geht die Digitalisierung grundsätzlich? Was ist die persönliche Meinung?

Antwort 7:

Mögliche weitere Entwicklungen könnten sein: Zeichnungen auf Grossbildschirme, anstatt auf Papier.

Die Automatisierungsschritte der Prozesse werden noch intensiver und noch vernetzter, so dass z.B. die Qualitätsprüfung noch mehr in den Fertigungsprozess eingebunden wird und dies nicht nur bei grossen Serien!

Arbeiten, verbunden mit Datenaustausch, werden weiter digitalisiert, so dass die Fehlerquelle "Mensch" aus dem Prozess genommen wird.

Aber Achtung: Jedes System ist nur so gut, wie es auch «gepflegt» wird. Grosse Probleme können entstehen, wenn z.B. ein Serverausfall vorliegt oder das Internet nicht läuft. - Bei der moser-ingold ag können fertig eingerichtete Maschinen immerhin noch arbeiten, auch wenn der Datenaustausch unterbrochen ist. Anders sieht es bei Stromausfall aus!

Frage 8:

Was wird von einem ausgebildeten Berufsmann / Berufsfrau heute an digitalen Fähigkeiten verlangt? Gibt es digitale Fähigkeiten, welche über die betriebliche Nutzung hinaus geht und sozusagen Allgemeinbildung ist?

Antwort 8:

Grundsätzlich sind alle Jugendliche sehr affin zur digitalen Welt. Da sie in der digitalen Welt praktisch keine Berührungsängste haben, können sie sich sehr schnell und gut bewegen. Das ist zumindest der Eindruck, den man aus dem Umgang mit jungen Menschen hat, die in unserer Welt aufwachsen.

Die grosse Frage besteht: Wann ist Arbeitszeit und wann ist "private Surfzeit"? Der Druck ist so gross, dass private Surfzeit keinen Platz hat am Arbeitsplatz? Wo geht es hin? Was mag es leiden? Wo sind gute und realistische Grenzen? In dieser Diskussion gibt es sehr viele unterschiedliche Lösungen! Die Grundbildung trägt aktuell noch nicht das notwendige Grundwissen dazu bei, damit die digitalen Geräte produktiv und nutzbringend eingesetzt werden können. Diesbezüglich bestehen (grosse) Erwartungen an die Berufsschulen und …..?!

Frage 9:

Die moser-ingold ag hat entsprechend der "Evolution" in zwei Schritten Photovoltaik montiert. Was hat das der Firma wirtschaftlich betrachtet gebracht? Wo liegen für einen MEM-Betrieb in Bezug auf die Steigerung der Energieeffizienz die grössten Potenziale?

Antwort 9:

Heute können pro Jahr 220'000 kWh Energie aus der eigenen Anlage genutzt werden. Unter der Woche bedeutet dies 100% Eigenverbrauch und am Wochenende wird der Strom ins Netz eingespiesen.

Dank dieser Investition konnte eine Entlassung aus dem Grossverbraucherartikel erwirkt werden. Grosse Kosteneinsparungen durch widerkehrende Audits, die ausgelassen werden können.

Grosse Energiefresser sind Leckagen in der Druckluft. Hier und anderen Energiefressern kann entgegengewirkt werden, indem mit offenen Augen durch den Alltag geschritten wird und die Energiefresser permanent eliminiert werden.

Geheizt wird praktisch nur mit der Maschinenabwärme im ganzen Betrieb!

Der Energiegedanke ist immer omnipräsent und dadurch steigert sich die Effizient zwangsläufig kontinuierlich. (Überzeugung von Rolf Ochsenbein).

Frage 10:

Sie stehen kurz vor einer Betriebserweiterung um rund 1/3 der heutigen Betriebsfläche. Was kann oder wird die moser-ingold ag dann mehr können? Eine Erweiterung ist ein mutiger Schritt und bedingt einem guten Gefühl! Was ist Ihre Meinung: Wie entwickelt sich die wirtschaftliche Situation in naher Zukunft? Wie wird sich die moser-ingold ag in naher Zukunft entwickeln?

Antwort 10:

Es braucht immer Zerspaner und dafür wird bei der moser-ingold ag immer daran gearbeitet, optimiert und investiert!!!

Was in 5-10 Jahren produziert wird, weiss die moser-ingold ag als reiner Lohnfertigungsbetrieb nicht. Es ist wichtig, dass immer flexibel auf die neuen Situationen agiert werden kann und das braucht auch etwas «Luft» in den betrieblichen Räumlichkeiten, daher braucht es eine Erweiterung, dass diese Entwicklung mitgemacht werden kann.

Frage 11:

Etwa 75'000 Betriebe beschäftigen sich mit einer Nachfolgeregelung in der Schweiz und dieser Prozess sollte 10 Jahre vor der Pensionierung angegangen werden. Dieses Thema scheint bei der moser-ingold ag gelöst zu sein. Ist die moser-ingold ag wirklich einer der wenigen Betriebe, die nicht Angst haben müssen, dass es einmal nicht weitergehen sollte?

Antwort 11:

Wie oben erläutert bereitet sich die 4. Generation bereits mit aktiver Mitarbeit im Betrieb vor, damit die Weiterführung der moser-ingold ag auch gesichert ist.

Bei der Übernahme von Markus Beck und Rolf Ochsenbein war es ein Ziel, dass die Firma in etwa im Alter von 60 Jahren übergeben werden kann. Dieses Ziel scheint wirklich realisiert werden zu können, worüber alle Beteiligten glücklich sind!

Eine weitere Mitarbeit der abgebenden Generation im Betrieb ist noch angedacht und hoffentlich willkommen!! Aber die kommenden Jahre können in Bezug auf die Nachfolgeplanung relativ gelassen angegangen werden!